Die eiskalte Luft der Klimaanlage in der WP Lounge des Frankfurter Flughafens umschmeichelte meine Haut. Doch das war nichts im Vergleich zu der Kälte, die sich in meinem Herzen breit gemacht hatte. Ich saß auf einem cremefarbenen Ledersofa und schwenkte langsam ein Glas edlen Riesling, dessen Preis vermutlich das Monatsgehalt meines Mannes überstieg. Mein Handy, das auf dem Marmortisch lag, vibrierte heftig.

Der Name meines Mannes, Stefan, erschien auf dem Display. Ich setzte ein leichtes Lächeln auf. Es war kein Lächeln der Sehnsucht, sondern das von jemandem, der bereits das Ende einer Schachpartie kennt. Ich nahm ab, hielt das kalte Gerät an mein Ohr und wartete auf das Urteil, das ich bereits seit einer Woche vorausgesehen hatte.
„Hallo Stefan“, grüßte ich in neutralem Tonfall, als wäre nichts geschehen. Ein schallendes Lachen brach am anderen Ende der Leitung aus. Ein Lachen voller Genugtuung, arrogant und abscheulich. „Hör mir zu, Karin.
Erwarte mich heute Abend nicht. Erwarte mich nie wieder. “
Ich nahm einen Schluck Wein. „Sieh an, machst du wieder Überstunden, oder bist du damit beschäftigt, dir eine neue Ausrede einfallen zu lassen?
“
„Ich heirate morgen! “, schrie er. Seine Stimme war so schrill, dass ich das Handy ein Stück weghalten musste. „Ja, du hast richtig gehört.
Ich heirate morgen Melanie. Sie ist jung, hübsch und viel leidenschaftlicher als eine langweilige alte Frau wie du. Ich habe es satt, jeden Tag zu Hause in dein verbittertes Gesicht zu schauen. “
Ich antwortete nicht.
Ich ließ ihn all sein Gift verspritzen. Ich blieb still und ließ ihn glauben, dass ich am Boden zerstört war. In Wirklichkeit war ich längst einen Schritt voraus. „Oh“, sagte ich nur.
„Was soll das heißen, ‚oh‘? “, blaffte er zurück. „Ich finde es nur amüsant, dass du glaubst, du könntest mich verlassen, bevor ich dich verlasse“, sagte ich ruhig. „Was redest du da?
“ Seine Stimme wurde unsicher. „Schau auf dein Konto, Stefan. Genauer gesagt, auf die Konten, die du mit Melanie eingerichtet hast. Die, von denen du glaubst, ich wüsste nichts davon.
“
Es wurde still. Ich hörte, wie er auf seinem Handy tippte. Dann ein Schnauben. „Das ändert nichts“, sagte er.
„Melanie und ich sind längst woanders. “
„Wirklich? Dann erklär mir, warum die Konten eingefroren sind. “
Wieder Stille.
„Was hast du getan? “
„Ich habe über all die Jahre jeden Cent abgezweigt, den du ins Glücksspiel gesteckt hast“, sagte ich. „Ich habe deine heimlichen Kredite bedient, deine Schulden bezahlt. Aber diesmal habe ich für die letzte Zahlung eine andere Karte benutzt.
“
„Du lügst! “, schrie er. „Ich habe die Miete für die Wohnung, die ihr in Mallorca gekauft habt, mit deiner eigenen Kreditkarte bezahlt. Die, die du mir gegeben hast, als wir geheiratet haben.
Die Karte, die du für mich als ‚Sicherheit‘ eingerichtet hast. “
Er lachte unsicher. „Die ist gesperrt. “
„Ach ja?
Dann frage dich, warum das Finanzamt sie vor einer Stunde gesperrt hat. “
Ich hörte, wie er unruhig wurde. „Ich rufe dich später an. “
„Das wirst du nicht“, sagte ich.
„Du wirst mich nie wieder anrufen. “
Ich legte auf, bevor er antworten konnte. Dann rief ich die Fluggesellschaft an und buchte meinen Flug nach Mallorca um. Ich hatte dort eine kleine Finca gekauft, auf ihren Namen, aber mit meinem Geld.
Der Anwalt, den ich seit Jahren bezahlte, hatte alle Unterlagen vorbereitet. Ich wusste, dass Stefan und Melanie bald in Schwierigkeiten stecken würden. Aber ich wollte nicht hier sein, wenn es passierte. Die nächsten Tage verfolgte ich die Nachrichten aus der Ferne.
Ich saß auf der Terrasse meiner Finca, trank den Wein, den ich früher nicht hätte trinken können, und beobachtete, wie sich das Drama entfaltete. Stefan wurde wegen Betrugs und Geldwäsche angezeigt. Sein Name tauchte in den Medien auf. Melanie, die junge, hübsche Frau, wurde als Komplizin genannt.
Sie versuchte, sich zu verteidigen, aber die Beweise waren eindeutig: die Kreditkarten, die Rechnungen, die gefälschten Markenhandtaschen, die sie in Umlauf gebracht hatte. Ich hatte alles inszeniert. Ich hatte die gefälschten Handtaschen über Umwege kaufen lassen, die Konten manipuliert, die Spuren verwischt. Ich hatte Jahre gebraucht, um all das aufzubauen, während Stefan dachte, er wäre der Einzige, der Geheimnisse hätte.
Am Tag, als das Urteil verkündet wurde, saß ich in einem Café in Palma und las die Zeitung. Stefan bekam zwanzig Jahre. Melanie, die versuchte, alles auf ihn zu schieben, bekam eine mildere Strafe, aber ihr Name stand auf der permanenten schwarzen Liste. Sie würde nie wieder ein Unternehmen gründen können.
Ich legte die Zeitung beiseite und sah aufs Meer. Die Sonne schien, das Wasser glitzerte. Ich war frei. Zum ersten Mal in dreißig Jahren Ehe war ich frei.
Ich hatte nicht verloren. Ich hatte gewonnen. Und ich wusste, dass Stefan und Melanie ihr Leben lang daran denken würden, wie sie von der Frau, die sie betrogen hatten, betrogen wurden. Ich nahm einen Schluck Wein und lächelte.
Das Leben war gut. Und die, die mich verraten hatten, würden es nie vergessen.


